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Samstag, 1. Juli 2017

Wasser


Am Mittwoch waren wir bei einer Ringvorlesung der TU zum Thema:
Wasser – eine Frage von Krieg und Frieden am Beispiel von Palästina
Die Weltbevölkerung wächst ständig. Alle Schätzungen gehen davon aus, dass in 50 Jahren ca. 9 Mrd. Menschen auf der Erde leben werden. Bezeichnender Weise liegen die Länder mit der höchsten Geburtenrate fast ausschließlich in Wassermangelgebieten. Neben vielen weiteren leidenden Ländern, bedeutet sowohl für Jordanien als auch für Israel der Zugang zum Jordanwasser eine Frage des Überlebens. Dabei ist das Ringen um Wasser in dieser Region parallel zu der Auseinandersetzung um Land zu sehen. Mit der gezielten Besiedlung von Palästina durch die Zionisten seit 1882 begannen auch die Probleme um eine gesicherte Wasserversorgung, die bis  heute andauern. Durch die Verbindung des Roten mit dem Toten Meer könnte hier Abhilfe geschaffen werden, die auch einen neuen Friedensprozess in Gang setzten könnte.

Prof. (em.) Dr.-Ing. Theodor Strobl, ehemaliger Ordinarius für Wasserbau und Wasserwirtschaft, TUM

Der Referent war ein betulicher älterer Herr, der immer wieder die Studentenschaft beschwor - "Das sage ich Ihnen jetzt mit allem Nachdruck!" - die Probleme anzugehen. Denn sie müssen den Schlamassel ja ausbaden. A. nannte ihn eine bayuwarische Schlaftablette. Trotzdem, es gab ein paar interessante Details zu diesem Kanalprojekt.


Die Frauen weltweit verbringen viel Zeit mit Wasserholen (ca. 25 %). Für ihn war das verschwendete Zeit, aber ich hörte mal von einer Referentin, dass es für die Frauen teilweise eine extrem wichtige soziale Funktion hatte, weil sie sonst kaum das Haus verlassen durften. So ist es ja oft mit Problemen. Manche löst man eben besser nicht.
Zu allen Zeiten haben Menschen Staudämme gebaut, um das Wasser zu speichern und zu verteilen (2.600 v. Chr. die Talsperre in Sadd-el-Kafara).
Die Wasserverteilung auf der Erde: 2,5 % sind Süßwasser (1/3 Grundwasser und 2/3 Gletscher).


In der Westbank und auf den Golanhöhen sind die meisten Wasservorräte. Durch die extremen Bevölkerungszuwächse, die Israel zu verarbeiten hatte, mussten sie ein ausgefuchstes Wassermanagement entwickeln, sie haben die modernste Wasserwirtschaft der Welt. Im Sechs-Tage-Krieg holten sie sich die Flüsse im Norden, die sie zur Wasserversorgung brauchen. Und sie zerstörten die Kanäle, welche die Araber von den Flüssen weg in ihre Länder bauen wollten.
Es gäbe Ungerechtigkeiten bei der Verteilung, die Palästinenser werden benachteiligt, sagte er. Mit den Siedlungen in der Westbank sichern sich die Israelis Grundwasserreserven.
Ein Problem ist, dass Syrien ganz viele Staudämme gebaut hat und damit sowohl Israel, als auch Jordanien viel Wasser abgegraben hat.
Schlimm ist das Absinken des Toten Meeres, deshalb wollen sie es mit dem Roten Meer verbinden, um es wieder aufzufüllen (von Rot nach Tot). Es gibt da ein riesiges Höhengefälle, was man zur Energiegewinnung nutzen könnte. Umwelttechnisch gibt es da Bedenken.
Na, ja, viel Info war das nicht...


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Freitag, 31. März 2017

Irren

Gestern war ich in einem Vortrag in der Stabi: Irren ist nützlich. Warum die Schwächen des Gehirns unsere Stärken sind.


Von Henning Beck, ein Hirnfoscher aus Tübingen, der dort sein Buch präsentierte. Das war jemand, der wusste, wie man einen guten Vortrag hält! Obwohl er Naturwissenschaftler ist.
Also: alles, alles, alles was wir wahrnehmen - und das ist VIEL - kommt erstmal ins Zwischenhirn (Talamus), das ist sowas wie das Vorzimmer zum Großhirn, und es filtert gnadenlos aus. Es ist eine Art Spamfilter, der nur wenig durchlässt, das meiste wird gelöscht oder zwischengespeichert im Arbeitsgedächtnis. Wenn der zu voll wird, sind wir abgelenkt, d.h. können nicht mehr unterscheiden, was wichtig ist und was nicht.
Was das Gehirn will: den Sinn einer Sache begreifen und alles drumherum ausblenden. Er zeigte uns das Röntgenbild eines Gehirns mit einem kleinen Tumor. Fachärzte sind spezialisiert, winzige Kleinigkeiten in dem Gewirr der Abbildung zu unterscheiden und können Tumorgewebe erkennen, wo unsereins nur Staub sieht. In das Bild hatten sie nun die Abbildung eine Gorillas gesetzt, gar nicht so klein, gut sichtbar. Dann haben sie die Augenbewegungen der Chirurgen verfolgt: die sahen den Gorilla zwar kurz an, aber der Talamus verschob ihn sofort in den Spamordner - es drang nicht in ihr Bewusstsein. Sie fanden alle den Tumor und niemand erwähnte den Gorilla.
"Da kann man von Glück reden", sagte Henning Beck, "dass in unseren Hirnen keine Gorillas wachsen."
Er malte zwei Figuren an und sagte: es wurde in allen Kulturen der Welt gefragt, welche Figur Kiki und welche Buba heißen soll.
Und auf der ganzen Welt war Nr. 1 Kiki und Nr. 2 Buba. Ist doch verblüffend. Das ist also allen Hirnen angeboren: bestimmte Konzepte von Geräuschen und Figuren.
Das Gehirn braucht Pausen, es ist wichtig, darauf zu achten. Jedes Gehirn hat einen eigenen Rhythmus, den sollen wir rausfinden.
Der Trieb, neue Informationen zu bekommen, ist der stärkste Trieb des Menschen, stärker als alle anderen. Man soll damit umgehen wie mit Hunger: regelmäßige Mahlzeiten, kleinen Snacks zwischendurch, aber nicht ständig essen! Verdauungszeiten einplanen. In der S-Bahn nichts tun.
Das Gehirn will nicht alles behalten! Es will gute Geschichten, nicht tausend Details. Es ist nicht wie die Festplatte eines Computers sondern ein Nervennetzwerk.
Die Art, wie das Netzwerk aktiv ist, ist das Ergebnis, es gibt keinen Unterschied zwischen Verarbeitung und Ergebnis. Musik ist die Art, wie ein Orchester aktiv ist. Zum Beispiel. Eine Hirnforscherin sagte mal: "Das Gehirn ist das Resultat seiner Benutzung."
Erinnerungen sind also nicht irgendwo gespeichert (das Bild der Großmutter z.B.), sondern es ist die Art, wie das Netzwerk aktiviert wird, die in unserem Bewusstsein die Großmutter erscheinen lässt.
Darum muss man auch nicht alles behalten. Wir verstehen die Welt in Konzepten, das geht extrem schnell, da kommt kein Computer mit.
Interessant war: er erzählte von dem Schachweltmeister, der gegen einen Computer verlor.
Deep Blue gelang es 1996 als erstem Computer, den damals amtierenden Schachweltmeister Garri Kasparow in einer Partie mit regulären Zeitkontrollen zu schlagen. 1997 gewann Deep Blue gegen Kasparow einen ganzen Wettkampf aus sechs Partien unter Turnierbedingungen.
(WIKIPEDIA)
Der Computer hatte völlig unsinnigerweise einen Bauern geopfert und Kasparow konnte das nicht begreifen. Er kam aus dem Konzept, verlor sein Selbstbewusstsein und war verloren. Sie haben dann nachgeforscht, warum der PC diesen Zug gemacht hat, der so unorthodox war, noch nie dagewesen. Der Grund war: er war einen Moment technisch überlastet. Er konnte nicht mehr rechnen und machte einfach einen Zufallszug.
Computer können zwar lernen, aber sie können nicht verstehen, darum können sie keinen wirklichen Fortschritt machen und sind noch genauso dumm wie vor 30 Jahren. Sagt Henning Beck. Jeder Dreijährige ist schneller, weil er verstehen kann.
Also: wir sollen uns nicht mit Details verrückt machen, viel wichtiger ist es: geistig verdauen (Konzept verstehen) und lustvoll vergessen.

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