Posts mit dem Label Philosophie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Philosophie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 25. August 2017

Dinge


Ich lese grade Der Verlust der Tugend, Zur moralischen Krise der Gegenwart, von Alasdair MacIntyre. Ich lese Sätze wie diesen:
Jede Beweisführung, die von Prämissen ausgehend, die erklären, daß die entsprechenden Kriterien erfüllt sind, zu einer Schlußfolgerung kommt, die erklärt, daß "Das ein gutes Etwas ist", wobei dieses "Etwas" einen Gegenstand darstellt, der durch eine funktionale Vorstellung gekennzeichnet ist, ist somit eine schlüssige Beweisführung, die von einer faktischen Prämisse ausgehend zu einer wertenden Schlußfolgerung kommt.
Wie kann das sein? Wie kann man so einen Satz denken und dann auch noch niederschreiben? Wahrscheinlich zog sich das über Wochen hin und er war zwischendrin immer wieder ein paar Wochen in Urlaub.
Was er sagen will ist (vermute ich):
Wir setzen als Fakt voraus: ein bestimmtes funktionales Ding erfüllt seinen Zweck.
Ausgehend von dieser Prämisse ziehen wir einen moralischen (wertenden) Schluss: "Das ist ein gutes Ding."
Damit kommen wir aber von der faktischen zu der geistig-moralischen Realität, was die Philosophen streng verbieten. Alle sollen schön unter sich bleiben: die Fakten bei den Fakten, die Urteile bei den Urteilen.
Aber - nun kommt's! - wir haben Recht! Wir dürfen unser Ding loben! Weil es ein funktionales Ding ist. Das will gelobt werden, wenn es seinen Zweck erfüllt.
Das Problem ist der Mensch. Einmal ist es eh schwer, einen zu finden, den man loben kann. Jedenfalls wenn man bei der Volkshochschule arbeitet. Zum anderen weil der Mensch, so will es Kant, nicht Zweck sein soll für einen anderen. Nur Ziel. Daraus hat er, der Kant, den kategorischen Imperativ gebastelt. Darüber müssen wir, der McIntyre und ich, jetzt noch ein bisschen nachdenken, wie das dann ausgeht mit dem Menschen.

Also, man kann die Dinge doch beim Namen nennen.

*
Urlaubsgrüße von M. vom Gardasee.


http://linde127.blogspot.de/2016/12/street-view.html  Weiter

Samstag, 8. April 2017

Balkon

 

Meine Bienen schätzen meinen neuen gelben Sonnenschirm, sie lassen sich zum Sonnen darauf nieder, betreiben ein wenig Körperpflege und dösen. Sie machen das meist zu mehreren, wenn eine dort also Pause macht, dann denken die anderen gleich: "Wenn die nichts tut, dann ruhe ich mich auch aus." Und schon sitzt ein ganzer Trupp in der Sonne und reibt sich die Beinchen.


Da geht mit der Brutpflege natürlich nichts vorwärts. Elf Löcher sind verstopft, zwanzig sind noch frei.

Wer ein Hotel betreibt, muss auch für ausreichende Proviantierung sorgen, ich habe also in zwei Blumenkästen eine Bienenweide ausgesäht und schon nach wenigen Tagen kommen die ersten Pflänzchen.



Und noch eine Neuerung gibt es: ich habe zum ersten Mal eine Rose auf meinem Balkon. Unter Berücksichtigung meines zukünftigen Domizils in der australischen Monarchie wählte ich die Edelrose Gräfin Diana. Außerdem war sie das einzige Angebot des Baumarktes.


Auf ihrem Schild lese ich folgende Duftbeschreibung:
Diese vollkommene Duftschönheit besticht vor allem durch ihr ausgesprochen edel-sinnliches Bouquet. Blütige und fruchtige Aspekte schwingen in einer vollkommenen Harmonie nebeneinander. Neben der klassischen Rosennote mit einem Hauch Zitrus. Fruchtige Holdunderblüte, Pfirsich und etwas Mirabelle schaffen die Verbindung zur Basisnote. Diese ruht, rund und ausgewogen, auf einem süßen Honigbett und zarten Erdnoten.
Meine Bienen werden das "süße Honigbett" schätzen.
Ich beobachtete die vollkommen missglückte Landung eines Marienkäfers auf Gräfin Diana: er schlug mit dem Rücken auf ein Blatt auf, prallte ab und stürzte zwei Etagen tief, bis er in einer Gabelung wieder Tritt fasste. Solchen Erschütterungen ist ein Marienkäfer ausgesetzt. Er ließ sich aber nicht das Geringste anmerken. Totale Contencance, die Marienkäfer. Gräfin Diana sowieso.

*

Ich lese von Michael Theunissen Der Begriff ERNST bei Sören Kierkegaard. Er zitiert aus Kierkegaards Dissertation:
Es findet sich nach Kierkegaards Ansicht in Platos Dialogen der "ersten Klasse", in denen der sokratische Geist am stärksten lebt, nicht "eine positive Polemik, die mit dem Pathos des Ernstes die Irrlehrer niederdonnert, sondern eine negative Polemik, die sie auf eine weit feinere, aber auch weit nachdrücklichere Weise untergräbt, sie kalt und unbewegt in das totale Nichts versinken sieht".
Das gefällt mir total gut: "sie kalt und unbewegt in das totale Nichts versinken" lassen, das hätte ich gern dem ein oder anderen Stümper der Weltgeschichte gegönnt. Kein Wunder, dass sie Sokrates hingerichtet haben. Das haben die Stümper nicht so gerne, wenn sie im Nichts versinken.

http://linde127.blogspot.de/2016/12/street-view.html  Weiter