Posts mit dem Label Tiere werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Tiere werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 12. Juli 2017

Tierpark

Heute waren wir im Tierpark Hellabrunn. Es ist ein seltsame Welt. Was geht in ihnen vor? Was machen sie den ganzen Tag?

Grasen geht nicht, rennen auch nicht.
Zusammenstehen. Nach rechts kucken. Nach links kucken.
Auf dem Weg rumstehen.
Watscheln.
Profil zeigen.
Elefantenspielzeug.
Rumhängen in der Gruppe: die Australier.
Ungeduldig: im Haus ist Futter, aber sie machen die Tür nicht auf.
Sehr, sehr nachdenklich. Der Uhu. Still und nachdenklich.
Meine Mama.
"Ich komm' nicht wieder runter!"
Besucher betrachten.
Affenscherze.
Grade aufgewacht.
Wer so schöne Schwänze hat, ist immer gut drauf.
"Was ist los? Schon wieder neue Leute vor der Scheibe!"

Tiere sind schon was Seltsames. Nicht ganz so seltsam wie Menschen, aber man merkt doch deutlich, dass sie in einer anderen Welt leben. Nur: diese Welt gibt es nicht mehr für sie. Es hat mich bedrückt, sie bei diesem reduzierten Leben anzuschauen, auch wenn sie so wunderbar und liebenswert sind. Oder grade deshalb.

http://linde127.blogspot.de/2016/12/street-view.html  Weiter

Sonntag, 23. April 2017

Nitsch

Gestern die Süddeutsche über den Skandal, der Hobart ins Haus steht:

Sehr gereifter Aktionskünstler, der in Australien noch einmal das Publikum provoziert


Früher, vor vierzig, fünfzig Jahren, gelangen Hermann Nitsch die schönen Skandale geradezu spielend. In den Sechzigerjahren galten die Aktionen des Künstlers als wüste Provokationen, die das tief katholische, autoritär denkende Österreich verstörten. Nicht nur was das Kunstverständnis anging. Die Nackten, das Blut, das Fleisch, die Kreuze und die Posen waren in der Heimat des 1938 in Wien geborenen Nitsch ein Politikum. Nitsch wurde angefeindet, verhaftet und zu Gefängnisstrafen verurteilt. Im Jahr 1968 zog er nach Deutschland um.
Heute weiß man: Das war seine große Zeit, damals. Denn inzwischen werden die Anstrengungen der Wiener Aktionisten in Mitteleuropa routiniert, sogar: gelangweilt zur Kenntnis genommen. Hat sich der Westen etwa an das große Schlachten gewöhnt?
Hermann Nitsch, dessen Kunst einst in Deutschland und den USA gefeiert wurde, ist in Ehren alt geworden, ein emeritierter Professor und ein Star, der in einem herrschaftlichen Schloss lebt. Noch immer versammelt er seine Anhänger für die durchnummerierten Aktionen, wenn auch inzwischen in kleinerem Kreis, man wird nicht jünger.   
Ausgerechnet die 150. Aktion lässt nun noch einmal einen Hauch der alten aufregenden Zeiten erahnen. Dabei soll sie im Juni am anderen Ende der Welt stattfinden, im Museum of Old and New Art (Mona) in Hobart, der Hauptstadt der australischen Insel Tasmanien. Dort bewirbt sie das Musikfestival „Dark Mofo“ im Programm vielversprechend als „düsteres Opferritual“. Als Rohmaterial stehen „500 Liter Tierblut, ein toter Bulle und seine Innereien“ bereit. Viele Australier sind nun schockiert, alarmiert, Zehntausende haben in einer Petition gefordert, das Blutbad abzusagen. „Eine Form von Bestialität“, nennt Hobarts Oberbürgermeisterin Sue Hickey die geplante Vorstellung, bei der „Menschen in tote Tierkörper kriechen“. In einem Protestschreiben an den Premierminister von Tasmanien, Will Hodgman, heißt es, er solle die Aktion unterbinden, weil die Tatsache, dass Tiere zum Verzehr getötet werden „den Menschen nicht das Recht gibt, sie für andere Zwecke zu schlachten“. In der aufgebrachten tasmanischen Debatte wird das Thema als „Bullgate“ verhandelt.
Hermann Nitsch scheint das zu genießen. Er geißelt als „Tierschützer“ die „Massentierhaltung als das größte Verbrechen unserer Gesellschaft“. Im vergangenen Jahr in München war das ganz anders. Als er seine 147. Aktion vor ein paar Dutzend eher Gleichaltrigen im Hinterhof der Villa Stuck aufführte, hatten manche der Zuschauer vor allem Mitleid mit den frierenden Darstellerinnen.
Die Kunstgeschichten, die Hermann Nitsch schrieb, sind Jahrzehnte alt: Muss man sich noch ansehen, wie der Künstler jungen Frauen bluttriefendes Gekröse in die Unterwäsche stopft? Priestergewänder, Penetration und Pathos in Großaufnahme wirken aufgesetzt. Die ultrakonservativen, prüden Aufbaujahre nach dem Zweiten Weltkrieg hatten so eine Kunst wohl verdient. Deshalb gönnt man Nitsch heute seinen Rang, toleriert – wie bei einem alten Verwandten – seine Lebensleistung. Und lässt ihn gewähren.
Das australische Publikum ist mit den Nachkriegswehen der europäischen Kunst weniger vertraut. Ihm erscheinen die Rituale unverständlich, ja, abseitig. Australien ist eine junge Nation, multi-ethnisch, sportlich, körperbewusst und – offensichtlich – tierliebend, womöglich sind viele Veganer unter den Protestierenden. Bei der Verteidigung Nitschs lag es daher auch nahe, nicht auf die Freiheit der Kunst zu verweisen, sondern auf lokale Rituale. Museumsgründer David Walsh schrieb in einem Blog: „Das Publikum sollte sich schon fragen, warum es in Ordnung ist, Fleisch als Nahrung zu verwenden, nicht aber im Ritual oder zur Unterhaltung.“ Schließlich habe sich „bis jetzt niemand über das traditionelle Barbecue des Mona beschwert“.
Die armen Tasmanier, jetzt müssen sie sich mit den Sauereien aus Deutschland rumplagen und die alten Europäer lächeln milde darüber.
In dem Blog schrieb jemand : If we're not supposed to eat animals ... how come they're made out of meat?

*

Und wieder ein langer Artikel über Bienen - genauer gesagt Honigbienen. Mit einem netten Bild (Bildunterschrift!):



http://linde127.blogspot.de/2016/12/street-view.html  Weiter

Freitag, 14. April 2017

Lamas

Heute hat mich A., eine Kollegin, mit rausgenommen nach Aying, wo sie ein Lama stehen hat. Viola heißt es und ist zierlich von von einem wunderschönen Silbergrau. Viola lebt in einer Herde.



 
Diese Lamas zeichnen sich durch beeindruckende Ohren aus, die sie, wenn was Interessantes passiert, alle gleichzeitig wie ein Mann nach vorne ausrichten.



Außerdem haben alle ein ganz unterschiedliches Fell, keines gleicht dem anderen. Alpaka-Wolle.




Im Grunde haben sie viel Ähnlichkeit mit Rehen oder Hasen, jedenfalls der Kopf.
Die Besitzerin der Herde und A. trieben sechs Tiere zusammen, die mit uns - eine Gruppe von acht Besucherinnen - wandern sollten. Lamas wollen nicht wandern, sie wollen in der Herde sein und zusammen ihre Ohren ausrichten. Und sie wollen fressen. Aber es wurden ihnen Halfter angelegt und mir wurde der Strick in die Hand gedrückt, an dessen Ende Fortuna stolz den Kopf hob. Sie ist die Chefin der Herde und geht darum am Ende der Karawane. Sie prüft, ob alle ordentlich mitlaufen. Ich habe schnell gemerkt, das Fortuna eine Vogelliebhaberin ist. Sobald wir aus einer Hecke oder einem Baum lautes Vogelgezwitscher hörten, blieb sie stehen wie in Stein gehauen und lauschte gebannt. Die Krarawane vor uns zuckelte derweil weiter. Man darf nicht an dem Strick zerren, an dessen Ende ein Lama steht, sie sind empfindlich und schnell beleidigt. Ich wartete also immer und wir lauschten auf die Vögel.


Lamas haben nur im Unterkiefer Zähne, auch diese irgendwie Hasenartig. Nicht unbedingt unserem Schönheitsideal entsprechend, aber sehr nützlich beim Rupfen von Gras. Sie spucken Menschen nicht an, sie spucken nur untereinander und zwar kräftig.
A. kämpfte mit ihrer Viola, die noch nicht so routiniert wie die anderen ist, weil noch neu. Sie hat die Angewohntheit, sich hin und wieder einfach hinzusetzen. Egal, ob alle weitergehen, egal ob A. dann doch am Strick zerrt - Viola sitzt. Wie ein Schwan auf dem Wasser, mit hoch erhobenen Kopf auf dem langem Hals und schaut mit großen Augen unter dichten Wimpern hervor, die wuschigen Ohren eingeklappt. So ist das mit den Lamas, sie haben ihre eigenen Ideen.
Wir gingen mit ihnen durch den Wald, wo sie sich gerne an Büschen reiben. Als eines kacken musste, da blieben alle stehen und die ganze Mannschaft kackte. Bis auf Viola, natürlich. Als wir uns dem Hof näherten, kam Schwung in die Karawane. Die Sechs freuten sich, nun wieder mit der großen Herde vereint zu sein. Die standen schon alle am Zaun, die Ohren zu uns ausgerichtet und sehr neidisch, weil sie genau wussten, dass die Wander-Lamas unterwegs ordentlich frisches Gras gerupft hatten.

http://linde127.blogspot.de/2016/12/street-view.html  Weiter

Samstag, 8. April 2017

Balkon

 

Meine Bienen schätzen meinen neuen gelben Sonnenschirm, sie lassen sich zum Sonnen darauf nieder, betreiben ein wenig Körperpflege und dösen. Sie machen das meist zu mehreren, wenn eine dort also Pause macht, dann denken die anderen gleich: "Wenn die nichts tut, dann ruhe ich mich auch aus." Und schon sitzt ein ganzer Trupp in der Sonne und reibt sich die Beinchen.


Da geht mit der Brutpflege natürlich nichts vorwärts. Elf Löcher sind verstopft, zwanzig sind noch frei.

Wer ein Hotel betreibt, muss auch für ausreichende Proviantierung sorgen, ich habe also in zwei Blumenkästen eine Bienenweide ausgesäht und schon nach wenigen Tagen kommen die ersten Pflänzchen.



Und noch eine Neuerung gibt es: ich habe zum ersten Mal eine Rose auf meinem Balkon. Unter Berücksichtigung meines zukünftigen Domizils in der australischen Monarchie wählte ich die Edelrose Gräfin Diana. Außerdem war sie das einzige Angebot des Baumarktes.


Auf ihrem Schild lese ich folgende Duftbeschreibung:
Diese vollkommene Duftschönheit besticht vor allem durch ihr ausgesprochen edel-sinnliches Bouquet. Blütige und fruchtige Aspekte schwingen in einer vollkommenen Harmonie nebeneinander. Neben der klassischen Rosennote mit einem Hauch Zitrus. Fruchtige Holdunderblüte, Pfirsich und etwas Mirabelle schaffen die Verbindung zur Basisnote. Diese ruht, rund und ausgewogen, auf einem süßen Honigbett und zarten Erdnoten.
Meine Bienen werden das "süße Honigbett" schätzen.
Ich beobachtete die vollkommen missglückte Landung eines Marienkäfers auf Gräfin Diana: er schlug mit dem Rücken auf ein Blatt auf, prallte ab und stürzte zwei Etagen tief, bis er in einer Gabelung wieder Tritt fasste. Solchen Erschütterungen ist ein Marienkäfer ausgesetzt. Er ließ sich aber nicht das Geringste anmerken. Totale Contencance, die Marienkäfer. Gräfin Diana sowieso.

*

Ich lese von Michael Theunissen Der Begriff ERNST bei Sören Kierkegaard. Er zitiert aus Kierkegaards Dissertation:
Es findet sich nach Kierkegaards Ansicht in Platos Dialogen der "ersten Klasse", in denen der sokratische Geist am stärksten lebt, nicht "eine positive Polemik, die mit dem Pathos des Ernstes die Irrlehrer niederdonnert, sondern eine negative Polemik, die sie auf eine weit feinere, aber auch weit nachdrücklichere Weise untergräbt, sie kalt und unbewegt in das totale Nichts versinken sieht".
Das gefällt mir total gut: "sie kalt und unbewegt in das totale Nichts versinken" lassen, das hätte ich gern dem ein oder anderen Stümper der Weltgeschichte gegönnt. Kein Wunder, dass sie Sokrates hingerichtet haben. Das haben die Stümper nicht so gerne, wenn sie im Nichts versinken.

http://linde127.blogspot.de/2016/12/street-view.html  Weiter

Dienstag, 4. April 2017

Bienen

Gestern war in der SZ dieser Artikel (auf der Titelseite!):


Sie nummerieren wilde Bienen um sie zu beobachten! Mein Schwarm nimmt nicht teil an der Forschung und fliegt ohne Nummern, aber wer weiß, ob nicht eine von den Uni-Bienen hier mal auftaucht! Bin gespannt.

Heute morgen entdeckte ich im Fensterrahmen etwas, was ich als Wespe einstufen würde. Sie  saß dort unbeweglich still, hatte wohl notdürftig Schutz gesucht vor der Kälte der Nacht. Die Arme. Sie durfte wohl nicht mitmachen, im Insektenhotel. Wie traurig. Es ist doch noch so viel frei dort. Meine Bienen sind ein bisschen zu völkisch gestimmt, scheint mir. Da müssen sie dazulernen. Sonst schicke ich sie an die Uni.



http://linde127.blogspot.de/2016/12/street-view.html  Weiter

Samstag, 1. April 2017

Frühling!



Gestern mit F. im Englischen Garten. Am Kleinhesseloher See brodelten natürlich die Menschenmengen, aber kaum hatten wir die Brücke zum Nordteil überquert, da wurden wir von etwas Wunderbarem, etwas Leichtem erfasst: wir kam in den Nordteil als kämen wir zu einem Fest. Aus allen Ästen brachen die leuchtend grünen Spitzen der jungen Blätter, die Forsythien glühten, ein glasklares Licht überzog alles mit Glanz, die Luft war frisch und es war warm, warm, warm. Die Vögel sangen mit der gleichen Begeisterung, mit der ich gesungen hätte, wenn ich F. nicht hätte schonen müssen.
Überall lagerten junge Leute, es sprangen sogar welche von einer Brücke in die Isar.




Wir gingen, getragen von einem freundlichen Wehen, hoch zu Sankt Emmerans. Dort aß ich etwas, was, laut F., auch nur die Bayern fertigbringen: panierten Spargel. Immerhin. Ein Erlebnis. Wir wollen offen bleiben für fremde Kulturen. Speis und Trankgaumerie.



Neben dem Spargel kauten wir noch auf etwas Kierkegaard herum, was deutlich befriedigender war. F. hat sich da jetzt richtig eingegraben und ich habe auch wieder angefangen.
Sankt Emmerans ist ein wunderbarer, friedlicher Ort und tagsüber nie überlaufen.
Als F. überlegte, ob er den Weg zurück noch schaffen würde nach einem zweitem Bier, brummte die Kellnerin: "Aber, locker!", während sie es schon in ihr Ding eintippte. Es ging dann auch gut.
Am Wasserwerk haben 1860-Fans ein beeindruckendes Statement hinterlassen:

COSANOSTRA 1860 (ital: Unsere Sache 1860)

*
Zu Hause auf dem Balkon eine große Freude: das Insektenhotel ist bewohnt! Irgendwelche kleinen Viecher, die wie Bienen aussehen aber etwas kleiner und runder, mit dunklem Pelz, haben angefangen, verschiedene Löcher zu verschließen. Ich nehme an, dahinter lagern sie ihre Brut. Ich bin entzückt. Ich werde die Patentante von winzigkleinen Insektenbabys sein. Ich werde Honig ernten!
Allerdings fand ich heute Morgen eine große Hummel in meiner Küche, was vielleicht bedeutet, dass die Insekten nicht so genau unterscheiden, zwischen meiner Wohnung und ihrem Hotel. Wir werden sehen. Auf jeden Fall bin ich eine stolze Gastgeberin!



Später:
Ich kann es nicht anders sagen, als dass ich jetzt einen kleinen Bienenschwarm auf dem Balkon habe. Es gab schon Probleme, weil eine fremde Biene - etwas größer als meine - auftauchte. Sie schaute sich alles an und wurde immer wieder in aufgeregte Diskussionen verwickelt. Ich glaube, sie hat aufgegeben. 
Die anderen kommen und gehen. Ich beobachtete, wie eine in einem Loch steckte, nur das kleine, pelzige Hinterteil ragte leicht vibrierend heraus, und entgegen Uhrzeigersinn drehte sie sich langsam einmal, mit den Hinterbeinen den Rand abwandernd, im Loch herum. Als sie weggeflogen war sah ich, dass sie den ersten schmalen Rand des Verschlusses angelegt hatte.
Meistens schlüpfen sie vorwärts in das Loch, aber einmal kam eine wieder raus und verschwand dann rückwärts hinein. Rätselhafte Bienenwelt.
Eine Recherche ergab: es sind Wildbienen.
Wußten Sie, daß allein in Deutschland 569 Bienen-Arten nachgewiesen wurden? Weltweit sind mehr als 17.000 Arten beschrieben worden! Von all diesen Arten ist nur eine einzige in der heimischen Fauna als Honig- und Wachslieferantin bekannt: die Honigbiene (Apis mellifera), eine der wenigen Bienenarten, die vom Menschen seit langem genutzt wird. Dagegen sind die weitaus meisten Bienenarten, zu denen u. a. die Sand-, Mauer-, Woll- oder Pelzbienen und nicht zuletzt die Hummeln gehören, wildlebend.
http://www.wildbienen.info
Also kein Honig. Na, gut.
Ich bin gefordert, für eine ausreichende Ernährung zu sorgen und haben in zwei Blumenkästen Samen für eine Bienenweide ausgestreut. Wie wunderbar das ist, so ein kleines Ökosystem auf dem Balkon einzurichten. Jetzt habe ich nicht nur einen Wald mit Jagdrecht, sondern auch einen wilden Bienenschwarm!

http://linde127.blogspot.de/2016/12/street-view.html  Weiter