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Samstag, 8. April 2017

Balkon

 

Meine Bienen schätzen meinen neuen gelben Sonnenschirm, sie lassen sich zum Sonnen darauf nieder, betreiben ein wenig Körperpflege und dösen. Sie machen das meist zu mehreren, wenn eine dort also Pause macht, dann denken die anderen gleich: "Wenn die nichts tut, dann ruhe ich mich auch aus." Und schon sitzt ein ganzer Trupp in der Sonne und reibt sich die Beinchen.


Da geht mit der Brutpflege natürlich nichts vorwärts. Elf Löcher sind verstopft, zwanzig sind noch frei.

Wer ein Hotel betreibt, muss auch für ausreichende Proviantierung sorgen, ich habe also in zwei Blumenkästen eine Bienenweide ausgesäht und schon nach wenigen Tagen kommen die ersten Pflänzchen.



Und noch eine Neuerung gibt es: ich habe zum ersten Mal eine Rose auf meinem Balkon. Unter Berücksichtigung meines zukünftigen Domizils in der australischen Monarchie wählte ich die Edelrose Gräfin Diana. Außerdem war sie das einzige Angebot des Baumarktes.


Auf ihrem Schild lese ich folgende Duftbeschreibung:
Diese vollkommene Duftschönheit besticht vor allem durch ihr ausgesprochen edel-sinnliches Bouquet. Blütige und fruchtige Aspekte schwingen in einer vollkommenen Harmonie nebeneinander. Neben der klassischen Rosennote mit einem Hauch Zitrus. Fruchtige Holdunderblüte, Pfirsich und etwas Mirabelle schaffen die Verbindung zur Basisnote. Diese ruht, rund und ausgewogen, auf einem süßen Honigbett und zarten Erdnoten.
Meine Bienen werden das "süße Honigbett" schätzen.
Ich beobachtete die vollkommen missglückte Landung eines Marienkäfers auf Gräfin Diana: er schlug mit dem Rücken auf ein Blatt auf, prallte ab und stürzte zwei Etagen tief, bis er in einer Gabelung wieder Tritt fasste. Solchen Erschütterungen ist ein Marienkäfer ausgesetzt. Er ließ sich aber nicht das Geringste anmerken. Totale Contencance, die Marienkäfer. Gräfin Diana sowieso.

*

Ich lese von Michael Theunissen Der Begriff ERNST bei Sören Kierkegaard. Er zitiert aus Kierkegaards Dissertation:
Es findet sich nach Kierkegaards Ansicht in Platos Dialogen der "ersten Klasse", in denen der sokratische Geist am stärksten lebt, nicht "eine positive Polemik, die mit dem Pathos des Ernstes die Irrlehrer niederdonnert, sondern eine negative Polemik, die sie auf eine weit feinere, aber auch weit nachdrücklichere Weise untergräbt, sie kalt und unbewegt in das totale Nichts versinken sieht".
Das gefällt mir total gut: "sie kalt und unbewegt in das totale Nichts versinken" lassen, das hätte ich gern dem ein oder anderen Stümper der Weltgeschichte gegönnt. Kein Wunder, dass sie Sokrates hingerichtet haben. Das haben die Stümper nicht so gerne, wenn sie im Nichts versinken.

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Mittwoch, 8. März 2017

Jagdfieber


Neues von meinem Wald: jemand aus dem Dorf will ihn kaufen! Er möchte ihn haben, weil mit dem Eigentum an der Schonung auch die Mitgliedschaft in der Jagdgenossenschaft der Gemeinde  verbunden ist.
Das eröffnet natürlich völlig neue Perspektiven für meine berufliche Zukunft. Kann ich mich als Jägerin selbstständig machen? Als Mitglied der Jagdgenossenschaft und der Forstbetriebsgemeinschaft? Voraussetzung wäre natürlich, dass ich Tiere töten möchte.


Der Waldpfleger schreibt, dass im Wald chaotische Verhältnisse herrschen. Als ich ihn bat, nicht zu sehr aufzuräumen, weil Totholz ja so wichtig für die Natur ist, schrieb er:

Ihre Gedanken zum Totholz kann ich gut nachvollziehen und ich freue mich immer wenn jemand für solche Ideen offen ist. Der "normale" Waldbesitzer möchte den Wald leider eher gärtnerisch gepflegt haben.
Teilflächen für etwas Unordnung gibt es in Ihrem Bestand genug, denn Borkenkäfer und Sturm haben größere Lücken hinterlassen.
Ich werde versuchen den Wald in Ihrem Sinne zu gestalten und zu pflegen. 
"Pflege" bedeutet für uns nicht Totholz entfernen, sondern fördern und pflegen der lebenden Bäume.
Also: Alles Gut :-)

Das freut mich! "Teilflächen für etwas Unordnung" sind mein Spezialität.
Vielleicht übe ich schon mal ein bisschen das Jagdhorn zu blasen. Dann kann ich auch später in Tasmanien bei der Familie für etwas musikalische Erbauung sorgen.

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Mittwoch, 22. Februar 2017

Wald



Mit meinem Waldbesitz geht es voran. Ich hatte ein langes Gespräch mit dem Forstbeamten, der für die Pflege der Privatwälder in der Gemeinde zuständig ist, er wird auch meinen Wald pflegen.
Ich lernte, dass die Bäume, die jetzt ungefähr 50 sind, für die Forstwirtschaft nur noch 30 Jahre interessant sind. Danach, wenn sie so 80 sind, wachsen sie zwar noch, aber sie sind rissig und faulig und wurmstichig und was weiß ich - einfach zu alt. Alle fünf Jahre wird geerntet, noch ca. 4 bis 5 Mal, dann hat mein Wald den Endbestand erreicht.
Wenn ich zurück zur Natur will mit dem Wäldchen, dann wird das teuer, sagte der Forstmensch. Genau so wie eine Gartengestaltung oder andere Landschaftsplanung. Also bleibe ich erst mal beim Ernten.
Er weiß nicht, in was für einem Zustand die Bäume sind, das muss er sich noch anschauen.
Wenn ich den Wald verkaufen will, könnte ich von dem Erlös einmal in Urlaub fahren, mehr ist nicht drin. Ich habe nicht gefragt, an was für ein Urlaubsziel er dabei dachte.
Ich bin jetzt Mitglied der Forstbetriebsgemeinschaft der Gemeinde. Damit habe ich das Recht auf: "Stichprobenartige Kontrolle des Ausmaßes Dritter mit Erstellung der ADV-Holzliste sowie Polterkennzeichnung sowie gegebenenfalls Erfassung der Geokoordinaten."
Eine Polterkennzeichnung - das ist interessant. "Dieser Baum wird beim Hinfallen ganz fürchterlich poltern, darf nur außerhalb der Ruhezeiten gefällt werden" oder so was in der Art?

*
Die Süddeutsche weiß Neues von den Bienen:  

Bienen geben Laute der Überraschung von sich
Honigbienen erzeugen sehr häufig Geräusche, die für das menschliche Ohr wie ein Hupen klingen. Mit diesen Lauten reagieren die Insekten wohl auf einen unerwarteten Reiz – sie sind also überrascht, berichten Biologen im Fachblatt Plos One.
Bienensignale dienen meist einem sehr konkreten Zweck, so weist eine tanzende Biene mit ihrer Choreografie beispielsweise auf Futter in der Nähe hin. Bei dem 0,1?Sekunden kurzen, sehr leisen Hupgeräusch vermutete man daher ebenfalls bislang eine tiefere Botschaft, etwa die Bitte nach einer Nektar-Kostprobe gegenüber Kundschafter-Bienen. 

Also: die Natur poltert und hupt und ist geschäftig, das es nur so eine Art ist. Von irgendwelchen romantischen Vorstellungen von der Stille der Natur muss ich mich verabschieden.

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Freitag, 30. Dezember 2016

Eis

Heute war ich mit C. draußen in Icking, an der Isar unten und am Ickinger Weiher. Er liegt zwischen Isar und Isarkanal mit einem kleinen Badestrand aus Kieselsteinen und ansonsten durch Schilf unzugänglichen Ufern.



Wo die Sonne nicht hinkam, war alles weiß bereift, es herrschte hier Dauerfrost, der Weiher war mit einer festen Eisschicht bedeckt. Ganz durchsichtig und zu dünn, um sie zu betreten, aber durchgehend über die Wasseroberfläche. Die ganze Umgebung war still und unbewegt, im Frost befangen. Das gegenüberliegende Ufer lag in der Sonne, kahle Bäume, dichtes Gestrüpp, vertrocknete Gräser und Schilf, hier war die Natur noch unter sich.




Wir standen und schauten. Da hörten wir plötzlich merkwürdige Vogelschreie: ein hohes Tönen, ein steigendes und fallendes Rufen in immer neuen Tonfolgen. Ich war mir sicher, dass es ein Vogel war, vielleicht ein fremdländischer, der hier überwinterte. Immer wieder stieß er seine hoch-singenden, fast flirrenden Schreie aus, mit einem eigenartigen Drängen, das mir rätselhaft erschien, angesichts dieser Jahreszeit, wo die Vögel doch nicht mit Paarungen und Revierkämpfen befasst waren.
C. sagte: "Ein Vogel? Glaubst du wirklich? Das klingt doch so elektronisch."
Sie hatte recht, aber was sollte das für ein Gerät sein, das diese merkwürdigen - halb jaulenden, halb klaren - Melodien erzeugte?
Schließlich sahen wir es: ein paar Leute warfen Kieselsteine auf den Weiher und die produzierten, während sie über die zugefrorene Fläche schlitterten, diesen wunderlichen Gesang des Eises.
Soviel zu meinen ornithologischen Kenntnissen.